Serie Werterhaltung: Geschäftsmodelle unter Druck

It’s the business model, stupid!

In volatilen und transformativen Zeiten muss die Werterhaltung eines Unternehmens ganz oben auf der Agenda des Managements stehen. Das betrifft auch die Verlagsbranche. Den Auftakt einer kleinen Serie zu diesem Themenkomplex hatte ich bereits 2023 gepostet (Link), jetzt geht es mir in einer ersten Vertiefung um die Frage, welche Rolle das Geschäftsmodell für die Werterhaltung spielt.

Verlage haben sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle, die vor allem, aber nicht nur durch die Digitalisierung bzw. durch neue Wettbewerber bzw. durch das sich ändernde Nutzerverhalten unter so unter Druck geraten sind. Die Entwicklung verschärft sich seit Jahren nicht, die Indikatoren sind eindeutig – von sinkender Rentabilität über Verlagsverkäufe bis hin zu Insolvenzen.

Hier beispielhaft vier Herausforderungen:

  • Too much information and entertainment: Das Angebot an (oftmals kostenlosen, mittlerweile immer öfter mit KI erstellten) Medieninhalten steigt, das Zeitbudget der Leser/innen bleibt konstant.
  • Engpass physische Distribution: Sowohl der Buchhandel als auch das Pressegrosso verzeichnen eine schrumpfende Verkaufsfläche, die Zahl der ausgestellten Titel sinkt, es gibt eine immer stärkere Verengung auf Topptitel und Longseller.
  • Werbefinanzierung von Medienangeboten – oder: Plattformen saugen alles auf: Immer mehr Werbespendings gehen dahin, wo Reichweite und Kundenprofile sind. Vor allem kleinere Verlage können hier nicht mithalten.
  • Plug and-Play-Publishing: Ja, heute kann jede/r Medieninhalte produzieren und publizieren. Ob Youtuber, Instagram oder Self Publishing: Die Möglichkeiten zur Gründung eines Medienangebotes sind so gering wie nie zuvor, das Contentrauschen wird immer lauter, die Position als Gatekeeper ist längst perdu.

Es gibt viele (erfolgreiche) Antworten auf diese Herausforderungen – aber eines ist klar: Ein Verlag kann seinen Wert nur behalten, wenn er nicht nur ein relevantes Angebot für seine Nutzer/innen bietet, sondern auch schnell auf neue Entwicklungen reagiert. Die Zeiten langer Gewissheiten sind vorbei.

In diesem Sinne muss jeder Verlag sein eigenes Geschäftsmodell „challangen“, herausfordern und auf Robustheit überprüfen. Und, wenn es notwendig ist, auch einen Geschäftsmodellpivot vornehmen, so wie es sehr Startups getan haben, als sie feststellten, dass ihr erstes Erlösmodell nicht funktioniert. Das Management ist gefordert, sich ehrlich zu machen und zusammen mit dem gesamten Team (und den Stakeholdern) tragfähige Antworten zu erarbeiten.

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