Interview mit Dr. Marcus von Harlessem, Chief Transformation Officer markstein

Arbeitsaufwände im Prozess der Gestaltung deutlich reduzieren, ohne das Markengesichtzu verlieren

Mit KI-Tools können Arbeitsaufwände im Prozess der Gestaltung deutlich reduziert werden, ohne dabei das Markengesicht und das gewohnte Erscheinungsbild zu verlassen. Durch diese Effekte können Verlage mehr Ressourcen für ihre Digitalprojekte schaffen, erläutert Dr. Marcus von Harlessem im folgenden Interview. Sein Fazit: „Methoden aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz ermöglichen  einen quantitativ nennenswerten Entwicklungssprung, auch ohne die Gefahr, einen Lock-In bei einem der großen Tech-Konzerne zu riskieren.“

Markstein hat KI-Tools entwickelt, um große Teile repetitiver Arbeitsabläufe in der Print-Produktion zu automatisieren. Was genau leistet das Tool?
Seit der öffentlichen Verfügbarkeit von Werkzeugen aus dem Bereich der generativen künstlichen Intelligenz hat sich der Fokus im Medien- und Verlagsbereich stark in Richtung Einsatz dieser Werkzeuge zur Effizienzsteigerung bewegt. Das ist insbesondere im Print- und E-Paper-Geschäft auch kein nice-to-have mehr, sondern ein notwendiger Schritt in Anbetracht der sich schnell ändernden Rahmenbedingungen. Dabei sollte man jedoch nicht auf der anderen Seite vom Pferd fallen und jene Qualitätsmerkmale vernachlässigen, für die Kunden immer noch bereit sind zu bezahlen: zielgruppenspezifische Ansprachen in Form kuratierter, gestalteter und abgeschlossener Inhalte. Dabei hat jedes Haus und jedes Objekt seine individuellen Ansprüche an Typographie und Layout. Auf dieser Basis basiert die Arbeitsweise des markstein tango Autolayouts: Arbeitsaufwände im Prozess der Gestaltung werden deutlich reduziert, ohne dabei das Markengesicht und das gewohnte Erscheinungsbild zu verlassen.

Was sind die größten Veränderungen, die die Einführung eines solches Tools mit sich bringt?
Regelmäßig wiederkehrende Arbeitsschritte ohne kreativen Anteil werden automatisiert. Beispielsweise die Platzierung von Beiträgen in einer Publikation, Beseitigung von Über- oder Untersatz, Bildanpassungen fallen weg. Ob für das komplette Produkt oder nur für Standards entscheidet der Kunde. Dazu gehört bei Story- oder Digital-First-Architekturen die Verlagerung eines Teils der kurativen Entscheidungsprozesse nach vorne in den Planungs- und Erfassungsprozess.

„Regelmäßig wiederkehrende Arbeitsschritte ohne kreativen Anteil werden automatisiert. Beispielsweise die Platzierung von Beiträgen in einer Publikation, Beseitigung von Über- oder Untersatz, Bildanpassungen fallen weg.“

Welche Voraussetzungen muss ein Verlag erfüllen, um das Tool effektiv einzusetzen?
Gar nicht viel mehr, als bei den meisten unserer Kunden schon vorhanden ist. Neben der Verwendung von tango Publishing für die Print-Produktion ist das eine redaktionelle Vorplanung als Standardmuster in der Blattplanung. Diese kann selbstverständlich jederzeit und schnell verändert und kurzfristigen Bedürfnissen angepasst werden. Dazu eine saubere Vorlagenbibliothek und Formatvorlagenspezifikationen, welche seit je her zur tango-DNA gehören.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die Mitarbeiter/innen bei dem Einsatz von KI-Tools? Gibt es Ängste z.B. im Layout oder der Grafik um den Verlust des Arbeitsplatzes?
An vielen Stellen ist das Ziel des KI-Einsatzes nicht primär der Abbau von Arbeitsplätzen, sondern die Entlastung in einer Rolle, welche sich durch die digitale Transformation mit immer mehr Aufgaben und Verantwortlichkeiten konfrontiert sieht. Dabei ist häufig der Wunsch, wertschöpfende Arbeiten in den digitalen Raum zu verlagern und den unter Kosten- und Erlösdruck geratenen Print-Bereich zu entlasten.

„Wertschöpfende Arbeiten werden in den digitalen Raum verlagert, um den unter Kosten- und Erlösdruck geratenen Print-Bereich zu entlasten.“

Gibt es schon Anwendungen in der Praxis, von denen Sie berichten können?
Nach ersten erfolgversprechenden Testläufen an Prototypen planen wir derzeit mit mehreren unserer aktuellen Kunden den Einsatz in unterschiedlichen Nutzungstiefen ab dem zweiten Quartal 2024.

Ihr Vortrag auf dem CrossMediaForum KI-Spezial heißt „Automatisiertes Print-Layout mit GenAI-Support für Zeitschriften und Zeitungen“. Was wird die zentrale Botschaft sein?
Der Print- und E-Paper-Markt steht sowohl auf der Einnahmenseite als auch auf der Kostenseite unter Druck. Dabei helfen wieder Fatalismus noch Angststarre, sondern pragmatische, leistungsfähige und kurzfristig verfügbare Lösungen, um die laufenden Kosten zu reduzieren ohne dabei das Erscheinungsbild und die Qualität der eigenen Produkte zu vernachlässigen. Methoden aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz ermöglichen hier einen quantitativ nennenswerten Entwicklungssprung, auch ohne die Gefahr, einen Lock-In bei einem der großen Tech-Konzerne zu riskieren

Das Interview führte Ehrhardt Heinold.

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