Damit reduziert sich der Aufwand für Bearbeitung von Leser:innen-Artikeln auf ein Minumum

Um Inhalte von Vereinen und LeserI:innen weiterhin mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand publizieren zu können, bedarf es neuer Werkzeuge, Wie der DIALOG KI-Web-Editor diesen Workflow unterstützt, erläutert Johann-Dietrich Schaefer im folgenden Interview.

Johann-Dietrich Schaefer

Worin besteht die Herausforderung, wenn Redaktionen Inhalte von externen Lesern oder Vereinen eingereicht bekommen?
Die Inhalte kommen in der Regel unstrukturiert in einer E-Mail oder als Word-Anhang. Die Texte haben vielmals nicht die gewünschte Länge für Print und müssen redigiert und gekürzt werden. Die Bilder hängen an der E-Mail oder werden separat über FTP übertragen und müssen nachträglich im CMS mit dem Artikel verbunden werden.

Sie haben für diesen Use Case einen Editor entwickelt. Welche Unterstützung bietet er bei der Texterstellung?
Der Editor ist nur ein kleiner Teil der Entwicklung. Vielmehr handelt es sich um einen kompletten browserbasierten Workflow zur Unterstützung von externen Content-Lieferanten, die in der Regel keine professionellen Autoren sind. Unsere Web-Applikation unterstützt den Autor im kompletten Entstehungsprozess. Bei der Auswahl des richtigen Ortes, des richtigen Anlasses, der richtigen Länge für seinen Text und beim Upload seiner Fotos. Das Highlight ist die KI-Unterstützung beim Schreiben, die einen wesentlichen Beitrag leistet, damit der Text grammatikalisch und orthographisch korrekt erstellt wird.

Welche Vorteile haben Redaktionen, wenn sie diesen Editor einsetzen?
Der Aufwand Texte zu kürzen, zu korrigieren und zu redigieren reduziert sich auf ein Minimum und spart wertvolle Ressourcen im Verlag, die für die Erstellung eigener Geschichten genutzt werden können.

Wie seiht der Workflow nach Artikelerstellung konkret aus?
Der Content wird direkt zu einem Web-Artikel mit Bild/Bildern und einem definierten Status im CMS. Mit Hilfe einer Recherche werden die Inhalte aufgelistet und werden nach einer kurzen Prüfung durch die Redaktion zur Veröffentlichung freigegeben. Danach erscheint der Inhalt auf der Webseite und wenn gewünscht über die DIALOG Layout-Engine automatisch auf der Print-Seite.

Gibt es schon Anwendungsbeispiele? Welche Erfahrungen wurden gemacht?
Der DIALOG KI-Web-Editor für Leser & Vereine ist bereits im Live-Betrieb bei den Nürnberger Nachrichten und ist ein wichtiger Baustein im redaktionellen Produktionsprozess des Verlags.

Ihr Vortrag auf dem CrossMediaForum lautet „KI-gestützter DIALOG Web-Editor für Leser und Vereine“. Was wird die Kernbotschaft sein?
Um die Vielfalt der gesellschaftlichen Inhalte weiterhin mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand in Tageszeitungsverlagen publizieren zu können, Bedarf es solcher Werkzeuge, die alle Beteiligten optimal unterstützen.

Johann-Dietrich Schaefer ist Leiter Initiative Markt und Technik bei der Funkinform Informations- und Datentechnik GmbH und Referent auf dem 26. CrossMediaForum am 4. Juli 2024 in München.

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Damit Content King bleibt – ein Word-XML-Workflow für digitales Publizieren

Damit Content King bleibt, müssen Verlage die wachsenden Wünsche ihrer Kundschaft an die Aufbereitung digitalen Contents erfüllern: Werkübergreifende Verweise, Informations-Dossiers aus vielen Werken, immer aktuelle Loseblattwerke und vieles mehr werden zum Standard. Wie diese Ansprüche mit einem Word-XML-Workflow erfüllt werden können, erläutert Daniel Gebühr im folgenden Interview.

Daniel Gebühr

Welche Rolle spielt Word bei der Erstellung von Inhalten für den Deutschen Apotheker Verlag?
Word spielt tatsächlich eine zentrale Rolle, es sind nur wenige Werke, die über andere Wege erstellt werden. Manuskripte kommen fast ausschließlich als Word, die meisten zum Glück in unserer Formatvorlage.

Wo liegen die Herausforderungen, wenn ich Word als Editor nutze, aber im Kern mit XML arbeiten will?
Word ohne Formatvorlage hat zwar eine interne XML-Struktur, die ist aber nicht wirklich selbsterklärend. Ich brauche also eine Möglichkeit, Word-XML sicher, zuverlässig und standardisiert in XML umzusetzen, ohne dass dabei Informationen verloren gehen. Natürlich muss das auch auf dem umgekehrten Weg passieren können: ich muss XML-Daten so ordentlich nach Word umsetzen, dass daraus hinterher der Druckprozess angestoßen werden kann.

Die Wordintegration in den XML-basierten Contentprozess ist bei Euch so tief, dass ein Wechsel zwischen Word und XML ohne Probleme möglich ist. Wie habt Ihr das erreicht, und was gibt es hierbei zu beachten?
Word in unserer Formatvorlage ist im Prinzip ein XML-Editor im Word-look-a-like. Alle wesentlichen Funktionen, speziell im Bereich Strukturierung, die auch von XML-Editoren geboten werden, sind mit integriert. Gleichzeitig sind die Word-Standardfunktionen zum Teil deaktiviert worden, sodass bei der Umsetzung in ein anderes Format nichts unerwartetes vorkommen kann (bzw. sollte). Es dürfen auf dem gesamten Weg keine Informationen verloren gehen. Unsere Autor*innen erwarten, dass sie für die Bearbeitung der Neuauflage wieder Word bekommen – und zwar inklusive aller Korrekturen, die unter Umständen erst zur Freigabe Blaupause eingefügt worden waren. Das bedeutet, wir benötigen einen so genannten „Round Trip“, bei dem Informationen immer weiter angereichert werden können, ohne dass wir in irgendeiner Weise zu Versionen wie „_final“, „_final2“,“_jetzt_wirklich_final“ usw. kommen, bei denen am Ende niemand mehr weiß, was eigentlich gültig ist.

Ihr nutzt Word nicht nur für die Erstellung von Büchern bzw. E-Books, sondern auch, um Inhalte für Online-Plattformen zu erstellen. Was muss ein Konvertierungstool leisten, um diesen Contentprozess reibungslos zu unterstützen?
Die Konvertierung für unsere Online-Plattformen darf ebenfalls keinen Informationsverlust erleiden und sie muss, das ist bei der Vielzahl unserer Titel unabdingbar, leicht zu bewerkstelligen sein und eine einfache und zügige Qualitätskontrolle durch Menschen ermöglichen, die keine XML-Spezialist*innen sind. Das bedeutet auch, dass eine Konvertierung sich strikt an unser XML-Schema halten muss (bedeutet, die erste Validierung erfolgt automatisiert). Wir benötigen – und da ist noch ein bisschen Zukunftsmusik darin – ein einheitliches Konvertierungstool (und ein einheitliches Schema) für all unsere Inhalte, ob Fach-/Lehrbuch, Juristisches Loseblatt, Monographisches Werk , Tabellenwerke oder andere – wir haben wirklich alles nur denkbare im Verlag.

Dein Vortrag auf dem CrossMediaForum lautet „Content virst – Ein XML/Word-Roundtrip“. Was wird die Kernbotschaft sein?
Content is King – das ist die Kernbotschaft. In einer Welt, in der Inhalte immer mehr digital abgefragt werden, in der immer mehr verlangt wird, dass wir unsere Inhalte digital – und eventuell sogar nur noch digital – zur Verfügung stellen, müssen wir das, was wir im Print schon seit vielen Jahrzehnten sicher und zuverlässig machen, nämlich Informationen an die Nutzer*innen zu bringen, genauso sicher und zuverlässig hinbekommen. Und gleichzeitig wachsen die Wünsche unserer Kundschaft an die Aufbereitung des Contents. Werkübergreifende Verweise, Informations-Dossiers aus vielen Werken, immer aktuelle Loseblattwerke und vieles mehr werden die Content-Landschaft weiter in Richtung digital verändern. Und da sollten wir hin, das ist meine feste Überzeugung – Content first, Format „egal“.

Daniel Gebühr ist Leiter Produktion bei der Mediengruppe Deutscher Apotheker Verlag und Referent auf dem 26. CrossMediaForum am 4. Juli 2024 in München.

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Mehr Leserbindung, Umsatzsteigerung und Erschließung neuer Geschäftsfelder durch KI

Durch den gezielten Einsatz von KI-Technologien können Verlage innovative Produkte entwickeln, die den Bedürfnissen der Leser entsprechen und gleichzeitig effizienter produziert werden können. Dies führt nicht nur zu einer verbesserten Leserbindung, sondern auch zu einer Steigerung der Umsätze und zur Erschließung neuer Geschäftsfelder, erläutert Robert Janoska im folgenden Interview.

Robert Janoska

KI kann nach Ihrer Einschätzung Verlage dabei unterstützen, neue Produkte zu entwickeln. In welchen Bereichen sehen Sie hier die größten Hebel?
KI bietet Verlagen in verschiedenen Bereichen Hebel, um neue Produkte zu entwickeln. Ein großer Bereich ist die Personalisierung von Inhalten, indem KI Daten über das Leseverhalten analysiert und individuelle Empfehlungen gibt. Zudem ermöglicht KI die Optimierung von Inhalten für eine bessere Leserbindung, die Automatisierung von Arbeitsabläufen wie Content-Erstellung und -Veröffentlichung sowie die Gewinnung von Einblicken durch Data Analytics. Außerdem kann KI bei der Inhaltskuratierung helfen, indem sie relevante Informationen aus verschiedenen Quellen filtert.

Wie spielen Mensch und Maschine hier optimal zusammen, anders ausgedrückt: Wie gestaltet sich eine optimale Arbeitsaufteilung?
Im optimalen Zusammenspiel von KI und Menschen in einem Verlag ergänzen sich ihre Fähigkeiten harmonisch. Menschen bringen ihre kreative Expertise, ihre Branchenkenntnisse und ihre Fähigkeit zur strategischen Planung ein. KI hingegen unterstützt durch Datenanalyse, Automatisierung von Prozessen und die Bereitstellung von Einblicken. Dabei liegt der Fokus darauf, dass die KI die menschliche Arbeit ergänzt und nicht ersetzt, indem sie repetitive Aufgaben übernimmt und den Menschen ermöglicht, sich auf komplexere und strategische Aufgaben zu konzentrieren. So entsteht eine Synergie, die zu effizienterer Arbeit, innovativeren Produkten und letztendlich zu einem Wettbewerbsvorteil für den Verlag führt.

Der Fokus liegt darauf, dass die KI die menschliche Arbeit ergänzt und nicht ersetzt, indem sie repetitive Aufgaben übernimmt

Nach welchen Kriterien sollte ein Verlag KI-Tools auswählen? Braucht es dazu übergreifende Grundsätze, also eine Art KI-Policy?
Bei der Auswahl von KI-Tools ist es von entscheidender Bedeutung sicherzustellen, dass sie den rechtlichen Anforderungen entsprechen und den Datenschutzbestimmungen, insbesondere der DSGVO, gerecht werden. Ein wichtiger Aspekt ist daher, dass die KI-Dienste innerhalb der EU gehostet werden und somit den europäischen Datenschutzstandards unterliegen.

Zusätzlich sollte der Verlag darauf achten, dass die Daten, die durch die KI-Tools verarbeitet werden, nicht mit Dritten geteilt werden, um die Sicherheit und Vertraulichkeit der verlagseigenen Informationen zu gewährleisten. Es ist auch wichtig sicherzustellen, dass das Copyright der durch die KI erstellten Daten beim Verlag bleibt, um die Kontrolle über den eigenen Content zu behalten und die rechtlichen Ansprüche zu sichern. Eine übergreifende Grundsatz-Policy für KI sollte diese Aspekte ebenfalls berücksichtigen und klare Richtlinien für die Einhaltung von Datenschutzbestimmungen, den Schutz geistigen Eigentums und die Sicherheit sensibler Daten festlegen. So kann der Verlag sicherstellen, dass die ausgewählten KI-Tools nicht nur funktional und leistungsfähig sind, sondern auch den rechtlichen und ethischen Standards entsprechen.

Um das volle Potenzial von KI zu nutzen, muss sich eine Verlagsorganisation strategisch aufstellen

Wie muss sich eine Verlagsorganisation aufstellen, um dieses Potential zu heben? Welche Erfahrungen haben Sie hier bei Ihren Kunden gemacht?

Um das volle Potenzial von KI zu nutzen, muss sich eine Verlagsorganisation strategisch aufstellen. Das bedeutet, dass sie nicht nur technische Lösungen implementiert, sondern auch eine kulturelle Transformation durchläuft. Diese Transformation beinhaltet einen Wandel hin zu einer Innovationskultur, die Mitarbeiter dazu ermutigt, neue Technologien zu erforschen und zu nutzen. Es ist ebenso wichtig, die Mitarbeiter mit dem nötigen Wissen und den Fähigkeiten auszustatten, um KI effektiv einzusetzen. Schulungen, Workshops und Weiterbildungsprogramme können dazu beitragen.

Zusätzlich können Partnerschaften mit Technologieunternehmen, wie zum Beispiel SNAP Innovation, dem Verlag Zugang zu innovativen KI-Lösungen und Fachwissen verschaffen. Schließlich ist es wichtig, dass die Verlagsorganisation flexibel ist und sich schnell an sich ändernde Technologien und Marktbedingungen anpassen kann. Eine agile Arbeitsweise und die Bereitschaft, neue Ansätze auszuprobieren und zu iterieren, sind entscheidend für den langfristigen Erfolg beim Einsatz von KI. Unsere Kunden, die bereits KI einsetzen, haben viele dieser Aspekte bereits erfolgreich umgesetzt. Besonders hervorzuheben ist ihre Offenheit gegenüber Innovation, die es ihnen ermöglicht hat, die Chancen von KI voll auszuschöpfen.

In Ihrem Vortrag auf dem CrossMediaForum wollen Sie Beispiele nennen. Können Sie uns vorab schon dazu etwas verraten?
Ich werde Beispiele dafür präsentieren, wie KI unseren Kunden geholfen hat, Zeit und Geld zu sparen, indem sie Abläufe im redaktionellen Alltag optimiert haben. Darüber hinaus werde ich über einen Kunden berichten, der dank KI in der Lage war, ein neues Produkt erfolgreich auf den Markt zu bringen.

Ihr Vortrag auf dem CrossMediaForum heißt „Innovation durch KI: Chancen für Produktentwicklung und Umsatzsteigerung im Verlagswesen“. Was wird Ihre Kernbotschaft sein?
KI bietet enorme Chancen für das Verlagswesen, sowohl in Bezug auf Produktentwicklung als auch Umsatzsteigerung. Durch den gezielten Einsatz von KI-Technologien können Verlage innovative Produkte entwickeln, die den Bedürfnissen der Leser entsprechen und gleichzeitig effizienter produziert werden können. Dies führt nicht nur zu einer verbesserten Leserbindung, sondern auch zu einer Steigerung der Umsätze und zur Erschließung neuer Geschäftsfelder.

Robert Janoska ist Sales & Project Manager bei SNAP Innovation (PublishOne Gold Partner) und Referent auf dem 26. CrossMediaForum am 4. Juli 2024 in München.

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Wir schlagen mit den IT-Standards ein neues Kapitel im Bereich Publishing-Technologien auf

Mit den von der Taskforce IT-Standards dokumentierten Kernprozessen, User Stories und Akzeptanzkriterien schlägt die Verlagsbranche ein neues Kapitel auf. Warum auf dieser Basis CMS- und andere Systeme in so kurzer Zeit und zu so günstigeren Konditionen wie nie zuvor eingeführt werden können, erläutern Felix Ehrlich und Carsten Schwab im folgenden Interview.

Felix Ehrlich

Worin besteht der größte Nutzen für einen Verlag, wenn er sich an den Ergebnissen der Taskforce IT-Standards orientiert?
Felix Ehrlich: Der größte Nutzen liegt in der Effizienzsteigerung, die sich durch optimierte Prozesse für Digitalisierung und Automatisierung erreichen lässt. Indem sich Verlage an den IT-Standards orientieren, verbessern sie ihre Abläufe signifikant und stellen sich so für die Zukunft besser auf.
Carsten Schwab: Die Ergebnisse spiegeln die Erfahrung von 50 Expert:innen aus der Branche wieder, darunter Verlagsmitarbeiter:innen, Beratungs- und Softwareentwicklungsunternehmen. Es handelt sich um exemplarische Teilprozesse, User Stories und Akzeptanzkriterien. Verlage profitieren einerseits dadurch, dass sie die Konzept- und Evaluationsphase in Softwareprojekten drastisch verkürzen können, indem sie mit ihren Überlegungen hier ansetzen und nicht (wie so viele andere vor ihnen) bei null beginnen. Ausserdem werden mit der Zeit mehr und mehr Softwareunternehmen die Ergebnisse aufgreifen und in ihre Lösungen implementieren, wodurch sich die Einführungsphase verkürzt und Kosten eingespart werden.

Nicht immer wird sich ein Verlag an alle definierten IT-Standards halten können. Wie können solche Anforderungen von einem Verlag umgesetzt werden?
Felix Ehrlich: Die Standards dienen als Vorlage und Empfehlung. Verlage können diese Standards einfach auf ihre individuellen Bedürfnisse hin erweitern oder abändern. Entsprechende Anpassungen lassen sich in Xpublisher dank der intuitiven Admin-Oberfläche ganz einfach selbst vornehmen.
Carsten Schwab: Die Taskforce modelliert nicht riesige und komplexe Verlagsworkflows. Stattdessen stellt sie einen Baukasten aus kleinen, isoliert einsetzbaren Teilprozessen, die sich zu passenden Workflows zusammensetzen lassen. Dadurch gelingt der Spagat zwischen Standardisierung einerseits und individueller Konfigurierbarkeit andererseits. Voraussetzung dafür sind natürlich Softwareanwendungen wie Xpublisher, die sich mit No-Code- und Low-Code-Technologie flexibel konfigurieren und über eine Workflow-Engine steuern lassen.

Carsten Schwab

Wie wurden die IT-Standards in Xpublisher abgebildet?
Felix Ehrlich: Xpublisher bildet die Rollen in einem Verlag als Benutzergruppen ab, die von einer Workflow-Engine Aufgaben zugeteilt bekommen. Diese stammen aus BPMN-Prozessen, welche die Taskforce modelliert hat. Integrierte Dienste erlauben die Benachrichtigung der Prozessbeteiligten und die automatisiere Erstellung von Publikationen, Ansichtsexemplaren, Leseproben und vielen anderen Formaten.
Carsten Schwab: Wir haben im ersten Schritt die essenziellen BPMN-Prozesse der Arbeitsgruppe Produktion in Xpublisher konfiguriert. Dank des bereits implementierten parsX Frameworks ist es nun möglich, einen kompletten Produktionsprozess von der Produktanlage bis zur vollautomatischen Ausleitung eines EPUB-eBooks und einer PDF-Datei via PrintCSS darzustellen.

Was heißt die Integration für ein CMS-Projekt: Welche konkreten Vorteile in Bezug auf Aufwand und Umsetzungszeit ergeben sich?
Felix Ehrlich: Die Integration bietet enorme Vorteile in Bezug auf den Projektaufwand. Anstelle einer aufwendigen Evaluierung-, Konzeptions- und Spezifikationsphase arbeitet der Verlag direkt in einem vorbereiteten System, das ohne zusätzlichen Programmieraufwand auf die eigenen Bedürfnisse hin angepasst ist. Das bedeutet mehr Effizienz und einen schnelleren Time-to-Value.
Carsten Schwab: Dank der Ergebnisse der Taskforce und der bereits geleisteten Arbeit sind wir nun in der Lage, innerhalb von zwei bis drei Monaten beim Kunden eine funktionsfähige Produktionsumgebung zu installieren, deren Einrichtung früher ein bis anderthalb Jahre benötigt hätte.

Gibt es schon erste Anwender und Erfahrungen?
Felix Ehrlich: Aktuell präsentieren wir viele Live-Demos. Wir freuen uns sehr, dass die Umsetzung auf so reges Interesse trifft.
Carsten Schwab: Wir arbeiten mit einem ersten Verlag derzeit an einem Proof of Concept, dessen Ergebnis wir bald präsentieren können. Darüber hinaus laden wir alle dazu ein, mit uns gemeinsam in ersten Pilotprojekten an der Umsetzung der Vision der Taskfroce IT-Standards zu arbeiten.

Ihr Vortrag auf dem CrossMediaForum lautet „Taskforce IT Standards praktisch umgesetzt: Xpublisher und Edupartner zeigen, wie es geht“. Was wird die Kernbotschaft sein?
Felix Ehrlich: Die Kernbotschaft lautet, dass ein Branchenstandard, der in Zusammenarbeit mit Softwareherstellern entwickelt wurde, einen direkten praktischen Nutzen schafft. So ebnen wir auch kleineren Verlagen den Weg zu mehr Effizienz und Automatisierung.
Carsten Schwab: Wir schlagen ein neues Kapitel im Bereich Publishing-Technologien auf. Nie zuvor konnten CMS- und andere Systeme in derart kurzer Zeit und zu günstigeren Konditionen eingeführt werden als heute. Und nie zuvor haben sämtliche Branchenteilnehmer derart kooperativ an der Verwirklichung einer gemeinsamen Visionen gearbeitet wie heute.

Felix Ehrlich, Head of Product Xpublisher, und Carsten Schwab, Leiter Publishing und Mitglied der Geschäftsleitung, Edupartner, sind Referenten auf dem 26. CrossMediaForum am 4. Juli 2024 in München.

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KI alleine nützt wenig ohne eine saubere, dynamische Aufbereitung der Daten

Für Fachmedienhäuser ist es keine Frage mehr, ob sie KI nutzen, sondern welche Art von KI, wofür und mit welcher Infrastruktur. Wie Verlage dabei weiterhin die Hoheit behalten, sowohl über ihre Inhalte und Daten wie auch über das Verhalten der KI, erläutert Prof. Dr. Heiko Beier im folgenden Interview.

Prof. Dr. Heiko Beier

Ihre Kernthese für den KI-Einsatz in Fachmedienhäusern lautet: “Der größte Nutzen liegt in der kundenzentrierten Aufbereitung und Erschließung von Fachinformationen.“ Wo genau kann KI dabei helfen?
KI kann in vielen Fällen behilflich sein: zunächst einmal können mittels der KI Kunden bzw. Leser intelligent segmentiert und die spezifischen Interessen einzelner Zielgruppen profiliert werden. Bestehende Inhalte können dann effektiver, weil zielgerichteter ausgespielt werden. Zudem kann KI dafür verwendet werden, Inhalte auf spezifische Zielgruppen hin zu optimieren. Und natürlich kann KI auch eingesetzt werden, um auf Basis der eigenen Fachinhalten Fragen von Kunden zu beantworten.

Können Sie ein paar Beispiele für diese Erhöhung des Kundennutzens nennen?
Über alle Einsatzfälle hinweg liegt der Nutzen vor allem in einer einfacheren Zugänglichkeit für komplexere Inhalte. Nutzer erhalten schneller genau das, was sie benötigen. Zum Beispiel dadurch, dass Fachinhalte dynamisch problembezogen gebündelt werden. Das ist vor allem wichtig für Verlage mit modularen Content-Produkten, die separat angeboten werden. Wenn wir ganz vorne in der Vermarktung ansetzen, hilft KI die Sichtbarkeit eigener Inhalte zu steigern. Wir arbeiten erfolgreich mit Redaktionen daran, mittels KI für bestehende Inhalte zielgruppen-spezifische optimierte T

easer zu generieren. Bedarfsgerecht und flexibel, z.B. in einfacher Sprache oder aus unterschiedlichen Perspektiven der jeweiligen Zielgruppe heraus. Dabei hilft die KI nicht nur bei der Erstellung der Inhalte, sondern kann sogar die Daten liefern um die KI effektiv zu prompten. Solche Content-Teaser steigern die Sichtbarkeit bei Google und können somit helfen, neue Nutzer für die eigenen Angebote zu gewinnen.

Auch zahlende Kunden profitieren von KI-generierten Zusammenfassungen. Gerade bei komplexen Inhalten ist es vorteilhaft, den Leser immer wieder mit kurzen Zusammenfassungen abzuholen. Mit KI kann das für beliebige Ebenen des Contents erfolgen, auf Ebene von Kapiteln, Abschnitten etc. Zudem erwarten professionelle Zielgruppen zunehmend, dass sie nicht mehr mühsam recherchieren, sondern idealerweise einfach Antworten auf Fragen erhalten. Mittels der KI lassen sich bestehende Inhalte schnell über Fragen erschließen. Besser können Fachverlage nicht helfen, die Probleme Ihrer professionellen Leser zu lösen.

Über alle Einsatzfälle hinweg liegt der Nutzen vor allem in einer einfacheren Zugänglichkeit für komplexere Inhalte.

Welche Voraussetzungen müssen Fachmedienhäuser schaffen, um diese Potentiale zu heben?
Wichtig ist zu verstehen, dass die KI alleine wenig nützt ohne eine saubere, dynamische Aufbereitung der Daten. Das gilt für alle o.g. Nutzungsszenarien. Ähnlich wie redaktionelle Workflows benötigt es auch auf Ebene der Daten systematische Workflows, in denen Inhalte und Meta-Daten organisiert und für die Übergabe an die KI aufbereitet werden. Und es braucht eine Lösung, um verschiedene KI-Modelle je nach Einsatzzweck einzusetzen. Generative KI in Form von großen Sprachmodellen (LLMs) sind extrem gut in der Interaktion an der Nutzerschnittstellen. Für andere Einsatzfälle sind andere KI-Modelle deutlich kosteneffizienter und verlässlicher, z.B. um für größere Mengen an Inhalt systematisch Meta-Daten aufzubauen oder mittels KI Inhalte semantisch zu durchsuchen.

Sie sehen beim Einsatz von Tools wie ChatGPT auch Risiken – welche sind das und wie kann ich diese vermeiden?
Viele unserer Kunden schließen die Nutzung einer Black-Box-KI wie ChatGPT grundsätzlich aus. Das hat zwei Gründe: fehlende Steuerbarkeit und Risiken im Hinblick auf Datenschutz und Sicherheit der eigenen Inhalte. ChatGPT ist eine Black-Box-KI, die zwar immenses Wissen besitzt, aber das Antwortverhalten ist kaum steuerbar. Wir bieten unseren Kunden Redaktionsanwendungen, mit denen automatisch die relevanten Informationen aus den eigenen Inhalten aufbereitet und an die KI übermittelt werden. Dabei können nicht nur verschiedene Parameter redaktionell angepasst, sondern auch die Ergebnisqualität systematisch ausgewertet und optimiert werden. Zudem arbeiten wir nur in Ausnahmefällen mit ChatGPT/OpenAI oder anderen Cloud-KI’s. Dort ist weder der Datenschutz gewährleistet, noch kann man sich wirklich sicher sein, wie die Inhalte auf Serverseite gespeichert und verarbeitet werden. ChatGPT ist für professionelle Publisher eine existenzielle Bedrohung, denn wenn die Tech-Giganten auch noch über die Qualitätsinhalte der Medienhäuser verfügen, gibt es überhaupt keine Notwendigkeit für Nutzer mehr, direkt die Angebote der Verlage aufzusuchen.

ChatGPT ist für professionelle Publisher eine existenzielle Bedrohung

Ihr Vortrag auf dem CrossMediaForum lautet „Näher am Kunden mit KI – sicher und verlässlich“ – was wird die Kernbotschaft sein?
Für Fachmedienhäuser ist es keine Frage mehr, ob sie KI nutzen, sondern welche Art von KI, wofür und mit welcher Infrastruktur. Dabei sollten die Verlage weiterhin die Hoheit behalten – sowohl über ihre Inhalte und Daten wie auch über das Verhalten der KI. Die Lösung liegt in einer Infrastruktur und Prozessen, die Daten, verschiedene Formen von KI und Redaktionen zusammenbringt.

Prof. Dr. Heiko Beier ist Geschäftsführender Gesellschafter / CEO der MORESOPHY GmbH und Referent auf dem 26. CrossMediaForum am 4. Juli 2024 in München.

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Das Zeitalter der Hyperpersonalisierung ist angebrochen

Die individuellen Informationsbedürfnisse ihrer Kunden präzise u.a. mit Micro-Content versorgen zu können, wird noch mehr zur Kernkompetenz von Fachverlagen werden müssen. Welche wichtige Funktion dabei Wissensmodelle spielen und warum LLMs das nicht allein leisten können, erläutert Andreas Blumauer in diesem Interview.

Andreas Blumauer

Nicht nur in der Verlagsbranche ist die Meinung „KI kann alles“ weit verbreitet. Wo liegen die Grenzen gerade für Fachverlage?
Fachverlage sind gerade mit verschiedenen, teilweise gegenläufigen Trends konfrontiert. Einerseits werden sehr viele Inhaltsbausteine zu niedrigen Kosten mit Hilfe von LLMs produziert, was  hochqualitative Inhalte andererseits noch wichtiger macht, um einen strategischen Wettbewerbsvorteil zu erzielen. Dazu kommen neue technische Möglichkeiten, um Inhalte aus verschiedenen Quellen bzw. Datensilos so zu verknüpfen, zu filtern und darzustellen, dass dadurch neue personalisierte Informationsprodukte entstehen. Die Kernkompetenz von Fachverlagen wird noch mehr dahingehen, die individuellen Informationsbedürfnisse ihrer Kunden präzise u.a. mit Micro-Content versorgen zu können. Das Zeitalter der Hyperpersonalisierung ist angebrochen. LLMs alleine können das nicht bedienen, sind aber ein wichtiger Baustein dazu.

Wie sieht das Zusammenspiel zwischen KI und Taxonomien und semantisch erschlossenen Wissensmodellen aus?
(1) Wissensmodelle helfen bei der Vorfilterung und Personalisierung relevanter Informationen, (2) Sprachmodelle (KI) können diese dann in Inhaltsbausteine umwandeln, die von Menschen und auch Softwareagenten (Bots) gelesen werden können. Würden Sprachmodelle auch für (1) zuständig sein, gäbe es Probleme der Skalierbarkeit und deutlich höhere Kosten. (3) Darüber hinaus können Wissensmodelle genutzt werden, um Prompts und Ergebnisse gezielt und kontrolliert mit Domänenwissen anzureichern, um so u.a. Halluzination zu unterbinden.

Wie können vor allem Fachverlage diese Kombination nutzen?
LLMs bieten die technischen Möglichkeiten, den Automatisierungsgrad entlang des gesamten Content-Lebenszyklus zu erhöhen, die aus betriebswirtschaftlicher Sicht aber nur dann sinnvoll nutzbar sind, wenn damit verbundene Risiken beherrschbar bleiben. Wissensmodelle helfen z.B. dabei, lückenhafte Informationen zu ergänzen bzw. herauszufiltern. Darüber hinaus bieten sie Möglichkeiten, den Beratungs- bzw. Frage-Antwort-Dialog zu unterstützen, indem zusätzliches Domänenwissen und Kontext angereichert wird.

Um KI-Modelle wie ein LLM noch besser nutzen zu können, wurde das Konzept einer „Retrieval-Augmented Generation“ (RAG) entwickelt. Kurz gesagt: Was leistet das Konzept und mit welchem Aufwand kann ein Verlag ein RAG einsetzen?
LLMs basieren vorwiegend auf Inhalten, die von Fachverlagen selbst nicht autorisiert wurden. RAG sieht vor, dass Sprachmodelle, sobald sie aufgerufen werden, gezielt mit zusätzlichen relevanten Kontextinformationen verknüpft werden. Dies kann Wissen aus verlagseigenen Datenbanken sein, oder es kann sich auch um die neuesten Nachrichten, Forschungsergebnisse oder Statistiken von Drittanbietern handeln. RAG-basierte Systeme erzeugen also Antworten und Suchergebnisse, die stets auf eigenen oder zumindest kontrollierbaren Inhalten beruhen, während das LLM „nur noch“ für Services wie z.B. zur Erstellung von Zusammenfassungen verwendet wird, niemals aber als Wissensbasis an sich. RAG ist somit in der Lage, aktuelle und autorisierte Informationen abzurufen, um Benutzer mit qualitativ besseren Antworten und weniger Halluzinationen zu bedienen.
RAG-Architekturen sind für Fachverlage unumgänglich, da nur so ein ausreichendes Qualitätsmanagement möglich wird, zudem können die Gesamtkosten eines Wissensportals beim smarten Einsatz von Wissensmodellen relativ gesehen niedriger gehalten werden. Siehe auch: https://www.poolparty.biz/semantic-retrieval-augmented-generation.

Ihr betreibt das Portal https://knowledge-hub.eco. Was ist kurz gesagt das Ziel des Portals, und wie spielen dort KI und Wissensmodelle zusammen?
Einerseits wollen wir mit diesem Portal Wissen rund um die Themen Klimawandel und ESG (EU Taxonomie, Nachhaltiges Investieren, etc.) leichter zugänglich machen, andererseits dient das System auch dazu, auf unsere B2B-Angebote in diesem Bereich hinzuweisen. Außerdem ermöglicht uns dieses neue Portal, verschiedene innovative RAG-Architekturen auszutesten und den damit verbundenen Benutzermehrwert besser messen und verstehen zu können. Im Wesentlichen setzen wir bei knowledge-hub.eco auf unser ESG-Wissensmodell auf und verarbeiten damit Tausende Webseiten und ESG-Reports mit Hilfe einer Semantic RAG Architektur.

Dein Vortrag auf dem CrossMediaForum lautet „GPTs haben die KI revolutioniert. Brauchen wir noch Wissensmodelle und Taxonomien, und warum?“ Was wird die wichtigste Botschaft sein?
GPTs bzw. LLMs haben KI in den Mainstream gebracht. Niemand kommt mehr daran vorbei, und alle wollen nun in dieser sich rasant entwickelnden Infrastruktur mitnaschen. Dabei rinnt uns allen sehr viel Honig in die Augen und wir übersehen verdeckte Kosten und Risiken. Diese gilt es genauso wie all die Möglichkeiten, die LLMs bieten systematisch zu untersuchen und besser zu verstehen. Unternehmen müssen offener denn je für Experimente sein, und damit beginnen, die Klaviatur der KI, und dazu gehört mehr als die LLM-Oktave, in ihre Geschäftsmodelle zu integrieren.

Andreas Blumauer ist CEO, Semantic Web Company GmbH und Referent auf dem 26. CrossMediaForum am 4. Juli 2024 in München.

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Das schwarze KI-Monster ist in Wirklichkeit ganz lieb – aber die Hand geben solltest du ihm schon

„KI macht Spaß. KI ist erlernbar. KI hilft und bereichert,“ sagt Beraterin Katja Krause im folgenden Interview und ermuntert Verlage, nicht länger zu warten, sondern loszulegen. Allerdings müsse es dabei einen Mindshift geben, vor allem bei den Führungskräften. Katja Krause wird ihre Thesen auf dem 26. CrossmediaForum am 4. Juli 2024 in München vorstellen.

Katja Krause

Als Einstieg eine ganz pauschale Frage: Wie offen sind Verlage beim Thema KI? Wird schon probiert oder noch sondiert?
Sowohl als auch. Allerdings ist allen Verlagen, mit denen ich spreche, klar, dass das Thema wichtig ist und sie zeitnah agieren müssen. Viele sind schon fleißig am Probieren. Allerdings fehlt oft noch in der Fläche das Wissen. Dabei sollten möglichst alle Mitarbeitenden schnell die neuen Möglichkeiten kennenlernen und in die Anwendung kommen.

Wo siehst Du Ansatzpunkte im klassischen Lektorat?
Hier kann KI im Bereich Sachbuch z.B. bei der Recherche helfen, im fiktionalen Bereich bei der Ideenfindung, beim Plotten, der Figurenentwicklung etc. Ich empfehle aber nicht, urheberrechtlich geschützte Texte in KI-Tools zu werfen und die dann quasi glattzubügeln. Natürlich könnte KI aus jedem Text einen (mittelguten) Hemingway machen. Aber wer will das? Ich möchte Texte von Menschen lesen und ich möchte, dass Menschen sie lektorieren. Ich weigere mich standhaft, in meinen Beratungen eine andere Botschaft weiterzugeben. Zudem wäre das ein klarer Urheberrechtsverstoß. Denn ich glaube nicht, dass Autor:innen Verlagen wissentlich gestatten, mit ihren Texten LLMs zu trainieren. Zumindest ist mir kein Fall bekannt.

„Ich möchte Texte von Menschen lesen und ich möchte, dass Menschen sie lektorieren. Ich weigere mich standhaft, in meinen Beratungen eine andere Botschaft weiterzugeben“

Und wo im Marketing?
Im Marketingbereich sehe ich im Augenblick die besten Einsatzmöglichkeiten. KI ist z.B. sensationell gut, wenn es um Social Media Strategien und -Content-Erstellung geht. KI schreibt dir in zwei Minuten ein komplettes You-Tube-Video-Scipt. Und zwar in Agentur-Qualität. Aber auch im Bildbereich kann KI zaubern. Es war nie einfacher, seine Produkte gut aussehen zu lassen und sie kreativ und zielgruppengenau zu präsentieren.

Was muss ein Verlag machen, um diese Tools einzusetzen? Reichen Weiterbildungen oder geht es auch um grundsätzliche Veränderungsprozesse?
Die Entscheider:innen in Verlagen müssen dringend in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiterenden investieren. Es gibt viele Berührungsängste, begründete Sorgen vor Arbeitsplatzverlust. Diese Ängste muss man adressieren und durch Wissensaufbau überschreiben. Denn erlernen die Mitarbeitenden, wie man mit diesen Tools kreativ umgeht, kommt Freude auf und Lust, Neues auszuprobieren. Da muss es einen Mindshift auf allen Ebenen geben. Ziel von Innovationsteams sollte es sein, KI-Botschafter in allen Abteilungen aufzubauen – Leute, die Lust auf KI haben und andere mit dieser Freude am Neuen anstecken. Dann kommen die Veränderungsprozesse automatisch – organisch und von innen.

„Da muss es einen Mindshift auf allen Ebenen geben. Ziel von Innovationsteams sollte es sein, KI-Botschafter in allen Abteilungen aufzubauen – Leute, die Lust auf KI haben und andere mit dieser Freude am Neuen anstecken.“

Wie schätzt Du das Zusammenspiel von Mensch und KI ein: Wo wird entlastet, wo ersetzt?
Das ist eine Bewertungsfrage. Entlastet wird der Mensch von Sachen, die keinen Spaß machen, die lange dauern, repetitiv sind. Hier wird jeder KI als nützlichen Assistenten begreifen. Schwierig wird es bei Aufgaben, die Menschen Spaß machen, die aber KI genauso gut und schneller erledigen kann. Da wird es einige Tränen geben, weil Arbeitsplätze verschwinden. Aber: Wenn KI Zeit spart, kann sie anderswo eingesetzt werden. Und das sollten alle Mitarbeitenden als Chance sehen: Denn in den letzten Jahren sind vor lauter Change-Prozessen in den Verlagen die Autor:innen auf der Strecke geblieben. Oft mussten sie – neben dem Ärger über geringe Vorschüsse – auch noch ihr Marketing und ihre Pressearbeit mitmachen, weil es in den Verlagen dafür keine Zeit mehr gab. Jetzt besteht die Chance, dieses Ungleichgewicht aufzulösen und wieder mehr für die Autor:innen und die kreative Arbeit da zu sein.

Dein Vortrag auf dem CrossMediaForum heißt „KI Life Hacks im Verlagsalltag“. Was wird die wichtigste Botschaft sein?
KI macht Spaß. KI ist erlernbar. KI hilft und bereichert. Und sie sollte kein Grund für Ängste sein. Das schwarze KI-Monster ist in Wirklichkeit ganz lieb – aber die Hand geben solltest du ihm schon.

Katja Krause, Autorin, Audio- und Verlagsexpertin und KI Beraterin für die Zielgruppen Buchverlage und Autor:innen. Seit mehr als 20 Jahre im Verlagsgeschäft – sowohl als Programmleiterin eines großen Hörbuchverlages, als auch als Lektorin und Referentin auf dem 26. CrossMediaForum am 4. Juli 2024 in München.

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