Verlage können bessere Digitalprodukte erstellen, wenn sie diese nicht vom Output, sondern vom Content-Workflow her konzipieren, sagen Uwe Matrisch und Jörg Pieper im folgenden Interview. Ihr Fazit: "Digitalprodukte sind dann nicht mehr nachgelagerte 'Derivate', sondern Resultat eines intelligent strukturierten Workflows."
Euer Ansatz lautet: Produkte entstehen im Content-Workflow. Das klingt abstrakt – was ist damit praktisch gemeint?

Uwe Matrsich
In vielen Szenarien sehen wir, dass fertiger Content technisch dem gewünschten Output angepasst wird. Dabei entstehen Prozessbrüche und komplexe Konvertierungsroutinen. In unserem Szenario wird beim Erstellen des Contents das fertige Produkt mitgedacht und kann während der Erstellung immer wieder in Vorversionen betrachtet werden.
Welche Vorteile bringt diese Arbeitsweise für Verlage?
Prozesse werden vereinfacht und der Content wird schon während der Erstellung im Produkt erfahrbar. Das motiviert Autoren und reduziert am Ende Korrektur- und Anpassungsprozesse.
Ihr nutzt den neuen und offenen Standard „bitmark“. Was ist das und worin liegt der Unterschied zu XML?
Bitmark ist in seiner Darstellung ähnlich schlank wie Markdown. Also ist es auch sehr viel schlanker und weniger komplex als XML. Allerdings beschreibt bitmark anders als markdown auch die Semantik und beinhaltet Interaktivität. Bitmark teilt ein Dokument in modulare, interoperable bits.
Wie spielen die beiden Lösungen RRP365 von Reemers und Get More Brain zusammen?

Jörg Pieper
In RRP365 werden mit Standard-Apps wie MS Word Inhalte erstellt. Diese können dort direkt in bitmark konvertiert werden, und es gibt eine API zu Get More Brain. Die so erzeugten Inhalte (interaktiv, mehrsprachfähig, mit AI-Funktionalitäten versehen), können so direkt in Get More Brain (GMB) eingespielt werden; ohne weitere Konvertierung. Get More Brain selbst ist eine digitale Plattform für Wissensmanagement, Lernen und Zusammenarbeit, die speziell für institutionelle Nutzung (B2B) entwickelt wurde – also für Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Bibliotheken und Fachorganisationen. In der Plattform selbst stehen weitere Tools für Interaktion und Kollaboration zur Verfügung.
Wenn ein Verlag Eure Lösung nutzt – wie einfach ist dann die Erstellung von digitalen Lernmedien?
Wir wollen bewusst (nicht nur) von digitalen Lernmedien sprechen, sondern die Lösung richtet sich an alle Angebote im Fachmedienmarkt (Handbücher, Kommentare, Textbooks). Digitaler Fachcontent leitet sich häufig immer noch aus einem bereits produzierten Printwerk ab, welches in ein starres PDF “digitalisiert” wird. Damit werden die Möglichkeiten echter digitaler Fachmedien längst nicht ausgeschöpft. Vor diesem Hintergrund geht es auch gar nicht so sehr um “einfach” sondern vielmehr um “Qualität” des dann fertigen Produktes. Wir wollen eine ganz andere Qualität, sicherlich auch “einfach”, erreichen. Die bereits im o.a. Produktionsprozess beschriebenen Schritte denken das fertige Produkt jedoch vom gewünschten Ergebnis. Interaktive Elemente (Quizze), multimediale Ergänzungen (Ton/Bild) werden von Anfang mitgedacht und in das Produkt eingebracht.
Euer Vortrag auf dem CrossMediaForum lautet: „Digitale Produkte wachsen im Workflow – nicht erst auf der Plattform“ Was wird die Kernbotschaft sein?
Viele Verlage denken digitale Produkte noch „vom Output her“ – also von der Plattform, dem E-Book oder dem finalen Format. Wir drehen diese Logik um: Der entscheidende Ort für Innovation ist der Content-Workflow. Digitalprodukte sind nicht mehr nachgelagerte “Derivate” sondern Resultat eines intelligent strukturierten Workflows.
Jörg Pieper, Head of Publisher Relations bei Get More Brain, und Uwe Matrisch, die Weiterentwicklung und Integration von RRP365 bei bei Reemers publishing services, stellen die Lösung auf dem 28. CrossMediaForum vor.