Mehrwert beim E-Learning: Lernstandskontrolle dank KI mit begrenzter Kapazität umsetzen

Viele Fachverlage nutzen ihre Publikationen in der Aus- und Weiterbildung. Wie nicht nur Lehrbücher durch E-Learning-Funktionalitäten wie z.B. eine Lernstands- oder Wissenskontrolle ergänzt werden können, erläutert Holger Flörke im folgenden Interview. Seine These: Lernstandskontrolle als Mehrwert ist für alle Inhalte und Formate so vielversprechend, dass es für fast alle Fachverlage in Frage kommt.

Holger Flörke

Sie sehen gerade für Fachverlage große Chancen im Bereich E-Learning. An welche Produkte und Anwendungen denken Sie da?
Viele Fachpublikationen werden in der Aus- und Weiterbildung verwendet. Das gilt nicht nur für ausgemachte Lehrbücher. Da liegt es nahe, diese Produkte durch E-Learning-Angebote zu ergänzen. Als guten Einstieg sehen wir die Lernstands- oder Wissenskontrolle. Damit kann der Nutzer seinen Lernfortschritt selber überprüfen und feststellen, wo er noch Bedarf an Wiederholungen oder auch Vertiefungen hat. Das ganze geschieht hauptsächlich über Fragen zu einem Thema (ein Fragenkatalog), die der Nutzer beantworten muss und wo ihm nach der Beantwortung zurückgemeldet wird, ob die Antwort richtig oder falsch war. In vielen Lehrbüchern wird das im Print ja auch jetzt schon ganz klassisch über abgedruckte Fragen am Ende eines Kapitel umgesetzt. Im Vergleich dazu bietet die digitale Abbildung solcher Fragenkataloge viel mehr Möglichkeiten, wie bspw. die Nutzung von Audio, Video in den Fragen und Antworten. Aber auch der direkte Aufruf aus Online-Veröffentlichungen, die automatische Auswertung und das direkte Feedback, ob die Antwort richtig oder falsch war, steigern den Nutzen immens. Eine Lernstandskontrolle macht aber nicht nur als Add-On für Lehrbücher Sinn, sondern kann auch ein eigenständiges Produkt zur Vorbereitung auf Prüfungen sein, kann als Abschluss eines Online-Seminares den Teilnehmern mit an die Hand gegeben werden oder auch einfach in Fachportalen den Spaß an der Nutzung erhöhen. Damit kann der Fachverlag einen Mehrwert zu seinen Inhalten schaffen, die Nutzer zu mehr Nutzung des Inhaltes bewegen oder auch einfach mehr Interaktivität und Spieltrieb in seine Inhalte bringen.

Fachverlage haben typischerweise Inhalte, die nicht didaktisch aufbereitet sind. Wie weit ist der Weg vom Fachbuch zu einer digitalen Lernwelt?
Das kommt darauf an, wie weit man gehen möchte. E-Learning ist ein weites Feld. Wer hier alle Möglichkeiten ausschöpfen möchte, muss viel investieren, um Konzepte, Infrastruktur und Inhalte aufzubauen – und natürlich das notwendige Know-how. Man kann aber auch mit kleinerem Einsatz Wirkung erzielen. Genau deshalb haben wir auf Kundenwunsch die Lernstandskontrolle ins Visier genommen. Wenn man sie als Zusatz zu einem Buch umsetzt, kann man die Inhalte ableiten. Selbstverständlich muss auch das einem gewissen didaktischen Anspruch standhalten, aber die Fallhöhe ist geringer als z.B. bei komplexen Online-Kursen.

Mit Lernstandskontrolle kann ein Fachverlag Mehrwert für Inhalte schaffen, die Nutzer:innen zu mehr Nutzung des Inhaltes bewegen oder auch einfach mehr Interaktivität und Spieltrieb in die Inhalte bringen.

Was kann automatisiert umgesetzt werden, wo muss konzeptionell, aber auch von der Inhaltsaufbereitung neu angesetzt werden?
Auch wenn man die Inhalte einer Lernstandskontrolle aus dem zugrunde liegenden Werk ableiten kann, muss das jemand tun. Die Erfahrung zeigt, dass die Buchautoren oft nicht scharf auf diese zusätzliche Arbeit sind. Hier können KI-Systeme wie ChatGTP seht gut unterstützen, ohne jemandem die Butter vom Brot zu nehmen. Durch die generative KI können aus (fast) jedem Inhalt automatisiert Fragen und Antworten erstellt werden. Das muss natürlich sorgfältig redigiert werden, denn die KI gibt bisweilen Unfug von sich, aber der Gesamtaufwand wird dennoch drastisch reduziert. Das macht die Lernstandskontrolle zu einem lohnenswerten Feld, auf dem man schnell vorankommen kann.

Wie sollte ein Verlag ein E-Learning-Projekt angehen? Welches spezielle Know-how wird benötigt?
Wenn zwei Verlage das gleiche tun, beschreiten sie drei verschiedene Wege. Spaß beiseite: Wenn Sie E-Learning mit allen Spielarten anbieten möchten, brauchen Sie Fachleute im eigenen Haus. Auch wenn Sie die Umsetzung an externe Partner vergeben, möchten Sie mit denen auf Augenhöhe sprechen können. Für den Einstieg mit einem kleineren Angebot, das meist mit begrenzten Ressourcen gestemmt werden muss, sollte man sich aufs Wesentliche konzentrieren. Das ist im Zweifel die inhaltliche Arbeit, ggf. unterstützt durch KI. Die technische Umsetzung einschließlich Datenaufbereitung kann man getrost einem Dienstleister überlassen.

Ich halte das Thema Lernstandskontrolle als Mehrwert für alle Inhalte und Formate für so vielversprechend, dass es für fast alle Fachverlage in Frage kommt.

Ihr Vortrag auf dem CrossMediaForum heißt „Von Text zu Test: E-Learning zum Lehrbuch KI-gestützt erzeugen“. Was wird die Kernbotschaft sein?
Ein Fachverlag konzentriert sich meistens auf seine Inhalte und beim Thema eLearning auf die Bereiche der Wissensvermittlung wie bspw. Online-Kurse oder -Seminare. Ich halte das Thema Lernstandskontrolle als Mehrwert für alle Inhalte und Formate für so vielversprechend, dass es für fast alle Fachverlage in Frage kommt. Mein Vortrag soll zeigen, wie man dank generativer KI auch mit begrenzter Kapazität zu fertigen Lösungen gelangen kann.

Holger Flörke ist Gründer und Geschäftsführer der Doctronic GmbH und Referent auf dem 26. CrossMediaForum am 4. Juli 2024 in München.

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