Damit Content King bleibt – ein Word-XML-Workflow für digitales Publizieren

Damit Content King bleibt, müssen Verlage die wachsenden Wünsche ihrer Kundschaft an die Aufbereitung digitalen Contents erfüllern: Werkübergreifende Verweise, Informations-Dossiers aus vielen Werken, immer aktuelle Loseblattwerke und vieles mehr werden zum Standard. Wie diese Ansprüche mit einem Word-XML-Workflow erfüllt werden können, erläutert Daniel Gebühr im folgenden Interview.

Daniel Gebühr

Welche Rolle spielt Word bei der Erstellung von Inhalten für den Deutschen Apotheker Verlag?
Word spielt tatsächlich eine zentrale Rolle, es sind nur wenige Werke, die über andere Wege erstellt werden. Manuskripte kommen fast ausschließlich als Word, die meisten zum Glück in unserer Formatvorlage.

Wo liegen die Herausforderungen, wenn ich Word als Editor nutze, aber im Kern mit XML arbeiten will?
Word ohne Formatvorlage hat zwar eine interne XML-Struktur, die ist aber nicht wirklich selbsterklärend. Ich brauche also eine Möglichkeit, Word-XML sicher, zuverlässig und standardisiert in XML umzusetzen, ohne dass dabei Informationen verloren gehen. Natürlich muss das auch auf dem umgekehrten Weg passieren können: ich muss XML-Daten so ordentlich nach Word umsetzen, dass daraus hinterher der Druckprozess angestoßen werden kann.

Die Wordintegration in den XML-basierten Contentprozess ist bei Euch so tief, dass ein Wechsel zwischen Word und XML ohne Probleme möglich ist. Wie habt Ihr das erreicht, und was gibt es hierbei zu beachten?
Word in unserer Formatvorlage ist im Prinzip ein XML-Editor im Word-look-a-like. Alle wesentlichen Funktionen, speziell im Bereich Strukturierung, die auch von XML-Editoren geboten werden, sind mit integriert. Gleichzeitig sind die Word-Standardfunktionen zum Teil deaktiviert worden, sodass bei der Umsetzung in ein anderes Format nichts unerwartetes vorkommen kann (bzw. sollte). Es dürfen auf dem gesamten Weg keine Informationen verloren gehen. Unsere Autor*innen erwarten, dass sie für die Bearbeitung der Neuauflage wieder Word bekommen – und zwar inklusive aller Korrekturen, die unter Umständen erst zur Freigabe Blaupause eingefügt worden waren. Das bedeutet, wir benötigen einen so genannten „Round Trip“, bei dem Informationen immer weiter angereichert werden können, ohne dass wir in irgendeiner Weise zu Versionen wie „_final“, „_final2“,“_jetzt_wirklich_final“ usw. kommen, bei denen am Ende niemand mehr weiß, was eigentlich gültig ist.

Ihr nutzt Word nicht nur für die Erstellung von Büchern bzw. E-Books, sondern auch, um Inhalte für Online-Plattformen zu erstellen. Was muss ein Konvertierungstool leisten, um diesen Contentprozess reibungslos zu unterstützen?
Die Konvertierung für unsere Online-Plattformen darf ebenfalls keinen Informationsverlust erleiden und sie muss, das ist bei der Vielzahl unserer Titel unabdingbar, leicht zu bewerkstelligen sein und eine einfache und zügige Qualitätskontrolle durch Menschen ermöglichen, die keine XML-Spezialist*innen sind. Das bedeutet auch, dass eine Konvertierung sich strikt an unser XML-Schema halten muss (bedeutet, die erste Validierung erfolgt automatisiert). Wir benötigen – und da ist noch ein bisschen Zukunftsmusik darin – ein einheitliches Konvertierungstool (und ein einheitliches Schema) für all unsere Inhalte, ob Fach-/Lehrbuch, Juristisches Loseblatt, Monographisches Werk , Tabellenwerke oder andere – wir haben wirklich alles nur denkbare im Verlag.

Dein Vortrag auf dem CrossMediaForum lautet „Content virst – Ein XML/Word-Roundtrip“. Was wird die Kernbotschaft sein?
Content is King – das ist die Kernbotschaft. In einer Welt, in der Inhalte immer mehr digital abgefragt werden, in der immer mehr verlangt wird, dass wir unsere Inhalte digital – und eventuell sogar nur noch digital – zur Verfügung stellen, müssen wir das, was wir im Print schon seit vielen Jahrzehnten sicher und zuverlässig machen, nämlich Informationen an die Nutzer*innen zu bringen, genauso sicher und zuverlässig hinbekommen. Und gleichzeitig wachsen die Wünsche unserer Kundschaft an die Aufbereitung des Contents. Werkübergreifende Verweise, Informations-Dossiers aus vielen Werken, immer aktuelle Loseblattwerke und vieles mehr werden die Content-Landschaft weiter in Richtung digital verändern. Und da sollten wir hin, das ist meine feste Überzeugung – Content first, Format „egal“.

Daniel Gebühr ist Leiter Produktion bei der Mediengruppe Deutscher Apotheker Verlag und Referent auf dem 26. CrossMediaForum am 4. Juli 2024 in München.

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