KI alleine nützt wenig ohne eine saubere, dynamische Aufbereitung der Daten

Für Fachmedienhäuser ist es keine Frage mehr, ob sie KI nutzen, sondern welche Art von KI, wofür und mit welcher Infrastruktur. Wie Verlage dabei weiterhin die Hoheit behalten, sowohl über ihre Inhalte und Daten wie auch über das Verhalten der KI, erläutert Prof. Dr. Heiko Beier im folgenden Interview.

Prof. Dr. Heiko Beier

Ihre Kernthese für den KI-Einsatz in Fachmedienhäusern lautet: “Der größte Nutzen liegt in der kundenzentrierten Aufbereitung und Erschließung von Fachinformationen.“ Wo genau kann KI dabei helfen?
KI kann in vielen Fällen behilflich sein: zunächst einmal können mittels der KI Kunden bzw. Leser intelligent segmentiert und die spezifischen Interessen einzelner Zielgruppen profiliert werden. Bestehende Inhalte können dann effektiver, weil zielgerichteter ausgespielt werden. Zudem kann KI dafür verwendet werden, Inhalte auf spezifische Zielgruppen hin zu optimieren. Und natürlich kann KI auch eingesetzt werden, um auf Basis der eigenen Fachinhalten Fragen von Kunden zu beantworten.

Können Sie ein paar Beispiele für diese Erhöhung des Kundennutzens nennen?
Über alle Einsatzfälle hinweg liegt der Nutzen vor allem in einer einfacheren Zugänglichkeit für komplexere Inhalte. Nutzer erhalten schneller genau das, was sie benötigen. Zum Beispiel dadurch, dass Fachinhalte dynamisch problembezogen gebündelt werden. Das ist vor allem wichtig für Verlage mit modularen Content-Produkten, die separat angeboten werden. Wenn wir ganz vorne in der Vermarktung ansetzen, hilft KI die Sichtbarkeit eigener Inhalte zu steigern. Wir arbeiten erfolgreich mit Redaktionen daran, mittels KI für bestehende Inhalte zielgruppen-spezifische optimierte T

easer zu generieren. Bedarfsgerecht und flexibel, z.B. in einfacher Sprache oder aus unterschiedlichen Perspektiven der jeweiligen Zielgruppe heraus. Dabei hilft die KI nicht nur bei der Erstellung der Inhalte, sondern kann sogar die Daten liefern um die KI effektiv zu prompten. Solche Content-Teaser steigern die Sichtbarkeit bei Google und können somit helfen, neue Nutzer für die eigenen Angebote zu gewinnen.

Auch zahlende Kunden profitieren von KI-generierten Zusammenfassungen. Gerade bei komplexen Inhalten ist es vorteilhaft, den Leser immer wieder mit kurzen Zusammenfassungen abzuholen. Mit KI kann das für beliebige Ebenen des Contents erfolgen, auf Ebene von Kapiteln, Abschnitten etc. Zudem erwarten professionelle Zielgruppen zunehmend, dass sie nicht mehr mühsam recherchieren, sondern idealerweise einfach Antworten auf Fragen erhalten. Mittels der KI lassen sich bestehende Inhalte schnell über Fragen erschließen. Besser können Fachverlage nicht helfen, die Probleme Ihrer professionellen Leser zu lösen.

Über alle Einsatzfälle hinweg liegt der Nutzen vor allem in einer einfacheren Zugänglichkeit für komplexere Inhalte.

Welche Voraussetzungen müssen Fachmedienhäuser schaffen, um diese Potentiale zu heben?
Wichtig ist zu verstehen, dass die KI alleine wenig nützt ohne eine saubere, dynamische Aufbereitung der Daten. Das gilt für alle o.g. Nutzungsszenarien. Ähnlich wie redaktionelle Workflows benötigt es auch auf Ebene der Daten systematische Workflows, in denen Inhalte und Meta-Daten organisiert und für die Übergabe an die KI aufbereitet werden. Und es braucht eine Lösung, um verschiedene KI-Modelle je nach Einsatzzweck einzusetzen. Generative KI in Form von großen Sprachmodellen (LLMs) sind extrem gut in der Interaktion an der Nutzerschnittstellen. Für andere Einsatzfälle sind andere KI-Modelle deutlich kosteneffizienter und verlässlicher, z.B. um für größere Mengen an Inhalt systematisch Meta-Daten aufzubauen oder mittels KI Inhalte semantisch zu durchsuchen.

Sie sehen beim Einsatz von Tools wie ChatGPT auch Risiken – welche sind das und wie kann ich diese vermeiden?
Viele unserer Kunden schließen die Nutzung einer Black-Box-KI wie ChatGPT grundsätzlich aus. Das hat zwei Gründe: fehlende Steuerbarkeit und Risiken im Hinblick auf Datenschutz und Sicherheit der eigenen Inhalte. ChatGPT ist eine Black-Box-KI, die zwar immenses Wissen besitzt, aber das Antwortverhalten ist kaum steuerbar. Wir bieten unseren Kunden Redaktionsanwendungen, mit denen automatisch die relevanten Informationen aus den eigenen Inhalten aufbereitet und an die KI übermittelt werden. Dabei können nicht nur verschiedene Parameter redaktionell angepasst, sondern auch die Ergebnisqualität systematisch ausgewertet und optimiert werden. Zudem arbeiten wir nur in Ausnahmefällen mit ChatGPT/OpenAI oder anderen Cloud-KI’s. Dort ist weder der Datenschutz gewährleistet, noch kann man sich wirklich sicher sein, wie die Inhalte auf Serverseite gespeichert und verarbeitet werden. ChatGPT ist für professionelle Publisher eine existenzielle Bedrohung, denn wenn die Tech-Giganten auch noch über die Qualitätsinhalte der Medienhäuser verfügen, gibt es überhaupt keine Notwendigkeit für Nutzer mehr, direkt die Angebote der Verlage aufzusuchen.

ChatGPT ist für professionelle Publisher eine existenzielle Bedrohung

Ihr Vortrag auf dem CrossMediaForum lautet „Näher am Kunden mit KI – sicher und verlässlich“ – was wird die Kernbotschaft sein?
Für Fachmedienhäuser ist es keine Frage mehr, ob sie KI nutzen, sondern welche Art von KI, wofür und mit welcher Infrastruktur. Dabei sollten die Verlage weiterhin die Hoheit behalten – sowohl über ihre Inhalte und Daten wie auch über das Verhalten der KI. Die Lösung liegt in einer Infrastruktur und Prozessen, die Daten, verschiedene Formen von KI und Redaktionen zusammenbringt.

Prof. Dr. Heiko Beier ist Geschäftsführender Gesellschafter / CEO der MORESOPHY GmbH und Referent auf dem 26. CrossMediaForum am 4. Juli 2024 in München.

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Veröffentlicht in CrossMediaForum, KI.